Pressearbeit für chinesischen Künstler: „Musik ohne Ton“

Pressearbeit für chinesischen Künstler: „Musik ohne Ton“
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Pressearbeit für chinesischen Künstler: „Musik ohne Ton“

02Der chinesische Künstler, Designer und Kunstprofessor Xiaocong Ma stellte vom 5. bis zum 28. Juli 2013 seine Bilder in der BBK-Galerie in Oldenburg aus. Im Rahmen unserer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, mit der wir die Ausstellung begleitet haben, führten wir ein Interview mit ihm. Ein Gespräch über die Notwendigkeit, Kunst zu erleben, die Aufgaben eines Kunst-Botschafters und die Vielschichtigkeit der Kalligrafie.

Frage: Herr Ma, Sie sind nun ein paar Tage in Deutschland. Wie sind denn Ihre ersten Eindrücke?
Xiaocong Ma: Es ist ein sehr schönes und sauberes Land. Die Leute sind hier sehr freundlich. Die Gastfreundlichkeit ist bei Deutschen und Chinesen gleichermaßen ausgeprägt. Ich komme aus Suzhou, einer der schönsten Städte Chinas ist. Sie ist eine Gartenstadt und deshalb auch sauber und grün – obwohl sie zwölf Millionen Einwohner zählt.

Kennen Sie selbst deutsche Künstler?
Ma: Die neue deutsche Kunst kenne ich nicht wirklich. Aber ich habe Design studiert und hatte ganz früh schon mit dem Weimarer Bauhaus zu tun. Die bekanntesten Vertreter kenne ich daher auch.

„MAN KANN KUNST NUR VERSTEHEN, WENN MAN AN IHR TEILNIMMT UND SIE ERLEBT.“

Die Kunst, so sagt man, hat eine völkerverbindende Wirkung. Warum ist Ihnen diese Aussage der Kunst wichtig? Und warum verstehen Sie sich als Botschafter Chinas?
Ma: In China kann man zwar durch Medien und das Internet Informationen über Deutschland und westliche Kunst einholen. Aber das Wichtigste ist immer, sich selbst einen Eindruck zu machen. Man kann Kunst nur verstehen, wenn man an ihr teilnimmt und sie erlebt. Traditionelle chinesische Kunst kann beispielsweise nicht jeder auf Anhieb verstehen. Darum bin ich hierher gekommen, um sie zu erklären. Außerdem kann ich selbst viel über westliche Kunst erfahren, da ich sie mit eigenen Augen betrachten kann. Was ich hier gesehen und gelernt habe, kann ich mitnehmen und besser mit meinen Freunden teilen. Darauf basiert mein Ehrgeiz, als Bote für traditionelle chinesische Kunst nach Deutschland zu kommen.

Warum haben Sie gerade Oldenburg als Ort für Ihre erste Ausstellung im Westen ausgesucht?
Ma: Durch Zufall habe ich in China Wei Zou von der hier ansässigen PD International AG kennengelernt und ihr erzählt, ich würde gerne in Deutschland ausstellen. Daraufhin meinte sie, ich solle nach Oldenburg kommen. Auf ihren Hinweis hin habe ich mich auf der Webseite der städtischen China-Initiative erkundigt und mich sofort entschlossen, Kontakt aufzunehmen. Denn die Stadt ist China gegenüber sehr aufgeschlossen, ein sehr wichtiges Kriterium für mich.

„OLDENBURG IST CHINA GEGENÜBER SEHR AUFGESCHLOSSEN.“

Die Ausstellung „Memories of Ink“, die hier zu sehen ist, zeigt eine große Auswahl an Bildern. In welchem Zeitraum sind diese entstanden?
Ma: In den letzten fünf Jahren etwa, es sind also alles aktuelle Werke. Ich habe in dieser Zeit noch viel mehr Kunst kreiert, aber für Oldenburg eine spezielle Auswahl getroffen, von der ich meine, dass sie im Westen besser aufgenommen und verstanden werden kann.

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Ist in dieser Kunst auch eine spezielle Entwicklung zu erkennen, dass etwa die Werke von vor fünf Jahren anders sind als diejenigen von heute?
Ma: Erst einmal ist man natürlich vom technischen Können her reifer und besser geworden. Man lernt auch neue Methoden, wie man bestimmte Werke hervorbringen kann. Von den Motiven her hat sich verändert, dass ich in der jüngeren Vergangenheit vor allem mehr Bilder gemalt habe, die auch mit Alltagsleben und den damit zusammenhängenden Gefühlen zu tun haben. Besonders unterscheiden sich meine Bilder im Vergleich zu früher darin, dass meine Erkenntnisse aus dem Design-Studium einfließen. Kalligrafie gehört zur traditionellen chinesischen Kunst, aber ich versuche sie mit Design-Aspekten zu verbinden. Das lässt sich mit Worten nur schwer erklären: Ich möchte nicht nur traditionelle Methoden und Motive nutzen, sondern auch neue schaffen.

„ICH VERBINDE TRADITIONELLE KALLIGRAFIE MIT DESIGN-ASPEKTEN.“

Wie haben Sie überhaupt zur Malerei gefunden?
Ma:
Als Kind habe ich mich schon mit Malerei beschäftigt, das Design-Studium kam später ergänzend hinzu. Zu Anfang war Kunst eher ein Hobby. Doch nach dem Studium hat meine Kunst noch einmal eine andere Richtung und einen anderen Wert für mich angenommen.

Man sieht viel Kalligrafie in Ihrer Kunst. Gibt es auch andere „typisch chinesische“ Elemente?
Ma: Die Frage muss ich auf zwei Ebenen beantworten: Traditionell chinesisch sind eigentlich nur die Zeichen, also insbesondere die verschiedenen Stile, wie man die Schriftzeichen schön schreiben kann. Die andere Ebene bezieht sich darauf, wie man mit ihnen Dinge erklärt und aufnimmt. Heutzutage geht es nicht mehr nur um „Schönschrift“, sondern auch um den Ausdruck bestimmter Gefühle. Am Werk allein kann man im besten Fall schon erkennen, welche Gefühle den Künstler beim Erstellen bewegten. Das versuche ich mit einer neuen Technik in der Kalligrafie umzusetzen. Deutschland ist ja sehr bekannt für Musik, in China wiederum ist Kalligrafie bekannt. Sie wird „Musik ohne Ton“ genannt. Was man auf den Bildern als Kalligrafie sieht, ist sozusagen ein Musikwerk, das man hören kann. Man soll einen Rhythmus hören können, aber gleichzeitig auch die stillen Gefühle.

„KALLIGRAFIE IST EIN MUSIKWERK, DAS MAN HÖREN KANN.“

Sie sagten vorhin, dass der Alltag in Ihren Bildern eine große Rolle spielt. Woher nehmen Sie weitere Inspirationen?
Ma: Es gibt eine Nachdenklichkeit, die mit dem Alltag zu tun hat, aber auch mit bestimmten Ereignissen. Aktuell etwa mit meinem Besuch in Oldenburg und den Menschen, denen ich hier begegnet bin. Das hinterlässt tiefe Eindrücke bei mir, gibt mir Anstöße und sogar das Verlangen, meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Nach meiner Rückkehr werde ich meine Eindrücke sicher in weiteren Werken verarbeiten.

Nochmal zum Alltag: Wie sieht der eines Künstlers in China aus?
Ma: Ich habe auch noch ein Unternehmen, eine Werbeagentur. Daher stehe ich sehr früh auf, bereits um sieben Uhr bin ich im Büro. Nicht nur bin ich somit Vorbild für meine Mitarbeiter, sondern habe vor allem die Ruhe, mich zu sammeln – für mein Geschäft und meine Kunst. In meinem Büro ist genug Platz, um zu malen, auch großformatige Bilder sind kein Problem. Nach diesen ein, zwei Stunden für mich fängt dann das reguläre Business an.

„FÜR DIE KUNSTFORM KALLIGRAFIE MUSS MAN ZUR RUHE KOMMEN.“

Wo genau kann man in China Kunst sehen – wie in Deutschland in Galerien und Museen?
Ma: Die Strukturen sind ähnlich wie in Deutschland mit Galerien und Museen. Eine weitere Möglichkeiten sind Universitäten, meist solche mit einer Kunstakademie.

Zum Thema Kunstakademie und junge Menschen: Beschäftigen sich diese auch noch mit Kalligrafie und bringen sie eventuell einen neuen Geist in diese Kunst?
Ma: Es gibt immer noch genug junge Leute, die Kalligrafie lernen wollen und das auch tun. Manche bleiben bei der traditionellen Kalligrafie, manche befassen sich mit Tuschekunst. Wer Tuschekunst studiert, muss jedoch auch Kalligrafie beherrschen. Das hängt zusammen. Kalligrafie ist sozusagen die Basis für Schwarzfarbe und hat eine starke Verbindung miteinander. Das Leben heutzutage hat sich allerdings total gewandelt: Man benutzt Apple-Computer, iPhones, geht Shoppen etc. Früher kannte man das nicht und hatte Zeit, in die Berge zu gehen und dort ein paar Monate ohne äußere Einflüsse zu leben. Die Herausforderung für junge Menschen ist daher, trotz des veränderten Lebensumfelds zur Ruhe zu kommen. Denn ohne diese Ruhe kann man weder richtig Kalligrafie malen noch Tuschekunst. Dadurch könnte aber auch etwas Neues entstehen.

Herr Ma, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Interview2

Das Interview mit Xiaocong Ma (zweiter von links) führten Claus Spitzer-Ewersmann und Mareike Lange von Mediavanti. Es übersetzte Wei Zuo (zweite von rechts) von der PD International AG.

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