Köln: Ein Magazin stellt die Stadt neu auf

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Köln: Ein Magazin stellt die Stadt neu auf

© Michael Flügge / pixelio.de

Mediavantis Medienkritik Vol.1: „Köln. Industrie, Hightech und mehr.“

Unter der Überschrift Mediavantis Medienkritik widmen wir uns unregelmäßig Neuem aus Blätterwald, Webwelt oder anderen Orten, an denen sich Medienschaffende austoben. Kritik der Kritik ist selbstverständlich erwünscht!

KOELN_Magazin

Zeichnet ein selbstbewusstes Bild der Rhein-Metropole: das neue KÖLN-Magazin.

Längst vorbei ist die Zeit, als Städte und Gemeinden ihre Außendarstellung allein über den Tourismus definierten. Inzwischen sprechen Kommunalpolitiker von Standortmarketing und Markenbildungsprozessen – oder das, was ihnen von PR-Strategen eingeflüstert wurde. Im Kampf um die Vermarktung von Gewerbeflächen und im Werben um die fähigsten Köpfe und besten Mitarbeiter spielt der Wirkungsgrad in der Öffentlichkeit mitunter die entscheidende Rolle. Hier hat die Stadt Köln über Jahrhunderte gut mit und von dem 3K-Image gelebt: Katholizismus, Klüngel, Karneval. Et hät evvens immer jot jejange!

Ob diese Lebenslust allein heutzutage noch Investoren aus Fernost oder Spitzenforscher aus Süddeutschland überzeugt, bezweifelt man auch rund um den Dom. Deshalb geht die Rheinmetropole einen anderen Weg und wirbt für den Standort mit einer 40-seitigen Beilage in einer Auflagenstärke von 164.000 Exemplaren, die Ende November der Wirtschaftszeitung Handelsblatt beilag.

KOMMUNIKATIONSANSATZ: TEIL DER MARKENENTWICKLUNG

Das Magazin mit dem Titel „Köln. Industrie, Hightech und mehr“ ist zentraler Bestandteil des aktuell laufenden Markenbildungsprozesses der Stadt. Köln soll als lebenswerte Metropole mit innovativen Unternehmen und einem reichen Potenzial an Hochschulen, Forschungszentren sowie Business-Parks für den schnellen Transfer zwischen Forschern und Anwendern präsentiert werden.

„Mit dem Magazin positionieren wir Köln in puncto Hightech-Kompetenz. Gerade das breite Spektrum international aufgestellter Unternehmen ist eine unserer Stärken“, erläuterte die Wirtschaftsdezernentin der Stadt, Ute Berg anlässlich der Vorstellung des Magazins.  Vorangegangen war die Sonderpublikation „Köln – Das Magazin“ der Köln Tourismus GmbH. Das 32-seitige Heft aus dem Frühjahr bezog sich ebenfalls auf die Ergebnisse des Markenprozesses. Im Mittelpunkt der Berichte, die Lust machen sollten auf die lebenswerte Metropole, standen Kölner Persönlichkeiten als Testimonials. 2014 will sich die Wirtschaftsförderung dem Thema Internationalität widmen.

INHALT: PROMINENTES TRIO

Drei der größten Arbeitgeber in Köln – Ford, Lanxess und Deutz – werden ausführlicher porträtiert. Die unternehmerische Leistung und Bedeutung der vielen Hidden Champions im Mittelstand wird ebenfalls gewürdigt. Unternehmer und Entscheider stellen ihre Lieblingsplätze vor („Mein Köln“). Daten und Fakten zum Wirtschaftsstandort und den relevanten Unternehmen werden in Infografiken aufbereitet. Allerdings fehlt nach unserer Meinung ein Titelthema oder Schwerpunkt. Themen des Heftes werden durch vier Teaser auf dem Cover angerissen.

STIL: MENSCHEN MACHEN GESCHICHTEN
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Die Rhein-Metropole setzt auf neue Wege beim Standortmarketing.

Die Redaktion der Handelsblatt-Tochter corps greift zum bewährten Mittel des Storytelling. Hinter der einfachen Übersetzung „Geschichten erzählen“ verbirgt sich ein starkes Marketing-Instrument. Geschichten entstehen immer und überall, wir sind umgeben von ihnen, wir geben sie weiter – die Urform der Kommunikation. Wissen wird verbreitet, Emotionen werden geweckt.

Wo Menschen täglich miteinander agieren, entstehen zwangsläufig Geschichten. Diese  in einer Mitarbeiterzeitschrift oder einem Kundenmagazin zu erzählen, erhöht die Relevanz und die Glaubwürdigkeit nach innen wie außen. Für Unternehmen können Austausch und Teilhabe eine engere und bessere Kundenbindung bedeuten. Das Köln-Magazin zeigt hier seine Stärken mit ansprechend geschriebenen Unternehmensreportagen über Hidden Champions. Hinzu kommen aussagekräftige Interviews sowie leicht aufbereitetes Zahlenmaterial und interessante Daten und Fakten.

OPTIK: ZEITGEMÄSS, ABER DIFFUS

Die visuelle Aufbereitung des Heftes ist ansprechend und zeitgemäß – wenn man das merkwürdige Cover überwunden hat. Die Titelgestaltung kommt, so unser erster Eindruck, im Erweckungsstil und mit esoterischer Bildsprache daher. Das menschliche Gehirn als Ressource steht im Mittelpunkt, wird aber von einem auf vier Karrierestufen stehenden Anzugträger überlagert und von Wolken (Cloud?) und roten Strahlen umgeben. Im Hintergrund taucht schemenhaft der Kölner Dom auf; wohl, damit überhaupt ein lokaler Bezug besteht. Da man zum geschäftlichen Erfolg einen gesunden Geist und einen gesunden Körper benötigt, wurden vom Grafiker Laptop und Hantel ins Bild gesetzt. Was wollen uns die Macher damit sagen?

Mit der diffusen Aussage „Köln. Industrie, Hightech und mehr“ bewegt sich die Wirtschaftsförderung in der Kategorie von Friseurinnen („Haareschneiden und mehr“) oder Nordseetourismus („Wellen, Wind und Meer“). Da dürfte es aus unserer Sicht bei einer Millionenmetropole schon ein bisschen „mehr“ sein.

Auf der üblicherweise bei Anzeigenkunden beliebten Seite 2 fällt statt Werbung das Wort „Inhalt“ sowie ein Foto des nächtlichen Rheinauhafens auf. Das Inhaltsverzeichnis auf Seite 3 sorgt mit einer Vielzahl an Themen in Verbindung mit unterschiedlichen Schrifttypen und -größen für Unruhe. Die visuellen Stärken des Heftes liegen in den eingängigen Infografiken („Standort K“), lockeren Infokästen („Deutz in 60 Sekunden“) sowie der Umsetzung der Standorte Kölner Unternehmen im Stil von Google Maps.

FAZIT: HEFT STÄRKT VERTRAUEN

Storytelling ist der Schlüssel zum Erfolg: In der Beilage werden Geschichten über Unternehmen aus Köln erzählt. In dieser Form werden sie leicht verstanden und vom Leser besser behalten als abstrakte Informationen. Die Unternehmen werden personalisiert und stiften Identität. Das Produkt ist glaubwürdig und schafft in seiner leichten Form Vertrauen. Ob dies letztlich Investoren vom Standort Köln überzeugt oder Akademiker an den Rhein lotst, steht auf einem anderen Blatt.

„Köln“ zum Download.

40-seitige Beilage im Handelsblatt aus dem Corps-Verlag (Handelsblatt-Tochter in Düsseldorf). Herausgeber: Stadt Köln, Dezernat für Wirtschaft und Liegenschaften. 

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