Slogans mit Leben füllen – die Potenziale des Imagefilms

Slogans mit Leben füllen – die Potenziale des Imagefilms
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Slogans mit Leben füllen – die Potenziale des Imagefilms

„Das Wichtigste beim Film ist das Herz.“

Interview mit Amon Thein, geschäftsführender Gesellschafter
der Oldenburger Filmproduktionsfirma Schwarzseher GmbH

Das Medium Film kann wesentlich zur Kommunikation von Unternehmensinhalten beitragen. Und es birgt durch die Möglichkeiten des Web 2.0 eine enorme Reichweite. Für das Oldenburger Wirtschaftsmagazin haben wir mit Amon Thein, geschäftsführender Gesellschafter der Oldenburger Filmproduktionsfirma Schwarzseher GmbH, darüber gesprochen, was ein Imagefilm im Gegensatz zu anderen Medien leisten und wie ein Unternehmen davon profitieren kann. Hier finden Sie das vollständige Interview.

IDEE UND REALISIERUNG AUS EINER HAND

Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, „Schwarzseher Film“ zu gründen, und welches Konzept steckt hinter der Agentur?
Amon Thein:
Ich habe nach der Schule lange Zeit unabhängig eigene Kurz- und Dokumentarfilme entwickelt, produziert und bei diesen auch Regie geführt. Als dann das Interesse an meiner Arbeit wuchs, habe ich mich mit der „Schwarzseher Agentur für neue Medien“ selbstständig gemacht. Die Notwendigkeit in der Anfangsphase habe ich zu meinem Grundprinzip gemacht: Bis auf wenige Ausnahmen konzeptioniere ich immer alles selbst – die Idee und die Realisierung kommen immer aus einer Hand.
2012 gründete ich die Schwarzseher GmbH, seitdem laufen mein Team und ich unter dem Label „Schwarzseher Film“.

Woher kamen die ersten Aufträge?
Thein:
Ich wurde von Beginn meiner Selbstständigkeit an weiterempfohlen. Der Vorteil daran war, dass die Kunden meist schon wussten, welchen Stil sie zu erwarten hatten – oder mich beziehungsweise uns ausdrücklich deshalb buchten. Der erste große Auftrag war die Umsetzung des Bewerbungsspots, der Imagefilme, der Kinowerbung und des Internetfernsehens für Oldenburg als Titel „Stadt der Wissenschaft 2009“.

EIN HANDSCHLAG UNTER KOLLEGEN WIRKT STARK IM FILM

„Ich möchte von Menschen erzählen – ihrer Leidenschaft, ihren Ideen.“

Worauf legen Sie insbesondere Wert bei der Produktion eines Films?
Thein:
Mir ist immer wichtig, von Menschen zu erzählen. Ihrer Leidenschaft, ihrem Antrieb, ihren Ideen. Dieser Moment, in dem jemand wirklich offen und begeistert von sich und seinen Ansichten erzählt, der ist wertvoll. Und berührt. Auch in einem Imagefilm funktioniert dieser Effekt hervorragend, denn hinter Unternehmen und Projekten stecken Menschen, die Produkte und Ideen erst greifbar machen. Viele unserer Filme sind deshalb Imagedokus, die Mitarbeiter der Unternehmen in den Vordergrund stellen. Sie „menscheln“, wie ich das nenne.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie Geschichten über ein Unternehmen erzählen wollen, und wie gelingt es Ihnen, diese auf Film festzuhalten?
Thein:
Reden! Ich möchte wissen, wie das Produkt funktioniert und hergestellt wird, und die Menschen kennen, die hinter dem Produkt stehen. Deshalb versuchen wir, im Vorfeld so viele Gespräche wie möglich zu führen, nicht nur mit der Marketingabteilung, sondern auch mit dem Werkstattleiter und der Sekretärin. Die Mitarbeiter haben meist eine sehr bereichernde Eigensicht auf ihren Arbeitgeber, kennen die Abläufe und geben guten Input für die Motivwahl. Ihr Stolz auf das Unternehmen ist etwas, das man gut in einem Film erzählen kann. Das wirkt stark im Film, genauso wie ein Handschlag unter Kollegen, oder ein Lächeln. Deswegen ist es wichtig, die Atmosphäre am Arbeitsplatz zu erspüren, um am Drehtag diese Momente abzupassen. Dabei sollte man beachten, dass jedes Unternehmen anders funktioniert und sich nicht jedes Produkt in jedem Format gut darstellen lässt. Jeder Film, der bei uns entwickelt wird, nimmt darauf Rücksicht. Wir produzieren also keine Filme von der Stange, sondern mal seriöse, mal flippige, mal humorvolle und mal epische.

LEERE SLOGANS MIT LEBEN FÜLLEN

Was kann das Medium Film in der Kommunikation leisten, was andere Medien – etwa Broschüren, Webseiten etc. – nicht leisten können?
Thein:
Zunächst ist Film ein emotionales Medium. Es hat die Möglichkeit, Unternehmen und ihre Produkte „erlebbar“ zu machen. Ein Film schafft ein Vertrauensverhältnis, das zahlt sich für Unternehmen aus. Film validiert „bloße Slogans“ und füllt sie mit Leben. Zudem haben Filme gerade im Internet einen unschlagbaren Vorteil: Sie beeinflussen die Auffindbarkeit der eigenen Webseite enorm.

Durch Einblicke ins Unternehmen ein Vertrauensverhältnis schaffen

Können Sie diesen Zusammenhang näher erklären?
Thein:
Das liegt an den Algorithmen der Suchmaschinen, die Videos besonders positiv bewerten. Außerdem hat ein Film, der Millionen Klicks generieren kann, eine Reichweite, die eine Broschüre mit trockenen Fakten nicht erreichen wird. Es gilt: Je interessanter der Film, desto schneller die Verbreitung im Internet. Die Idee zählt also, und die Umsetzung. Einen Film um jeden und zu jedem Preis sollte man nicht produzieren lassen, dann wird sich die Wirkung möglicherweise ins Gegenteil verkehren. Das kann man sehr schön an diversen missglückten Kampagnen von großen Konzernen ablesen, deren Mitarbeiter in schlecht gemachten Videos über ihre Arbeit rappen. Es empfiehlt sich, erfahrenen Filmproduzenten den Vortritt vor dem netten Kumpel mit der schicken Spiegelreflexkamera zu lassen, die jetzt „auch Videos aufnehmen kann“.

„FILME IM NETZ MUSS MAN ANDERS KONZIPIEREN.“

Inwiefern unterscheidet Schwarzseher zwischen Image- und Webfilm?
Thein:
Fast 80 Prozent der Deutschen sollen mittlerweile im Internet Filme schauen, zumeist geschieht dies auf YouTube. Das ist natürlich ein riesiges Potenzial. Ein episch erzählter Imagefilm von acht Minuten Länge ist hier allerdings fehl am Platz. Es bleibt meist wenig Zeit, auf den Punkt zu kommen, denn Aufmerksamkeit im Internet verfliegt rasch. Filme im Netz muss man daher anders konzipieren, beispielsweise indem die Inhalte in Trailer-Form umgeschnitten werden, der Film in Kapitel zerlegt oder eine eigene Fassung für das Netz gedreht wird. Webfilm ist also kein eigenes Genre, sondern nur eine andere Art, den Imagefilm zu präsentieren.

Gibt es auch Unternehmen, für die diese Form des Marketings nicht sinnvoll wäre?
Thein:
Ich vertrete die Auffassung, dass Film für ein Unternehmen immer sinnvoll ist – selbst durch ein einziges Interview mit dem Geschäftsführer kann das Unternehmen bereits greifbarer werden. Wir raten jedoch davon ab, wenn wir eine andere Werbeform für die gestellte Zielsetzung als effektiver erachten – oder das Budget nicht realistisch ist, um einen für beide Seiten zufriedenstellenden Film zu drehen. Film ist eine Kollaborationsarbeit, daran sind viele Menschen beteiligt. Wer so etwas für 500 Euro auf den Markt wirft, ist nicht nur unseriös, sondern hat offenkundig auch kein Herz für das Filmemachen. Und das Herz ist das wichtigste dabei.

Herr Thein, vielen Dank für das Gespräch!

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