Praxistipps: über die richtige Bildsprache in Publikationen

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Praxistipps: über die richtige Bildsprache in Publikationen

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Für eine Veröffentlichung die geeigneten Aufnahmen zu wählen ist gar nicht so einfach. Denn die Auswahl muss dem ästhetischen und inhaltlichen Konzept entsprechen. Wir geben Tipps, worauf man achten sollte.

Kein Zweifel, gute Fotografen lichten Mensch und Natur, Situationen und Gegenstände so ab, dass man am liebsten jedes Bild vergrößern lassen und aufhängen würde. Aber ist dadurch jedes Bild gleichermaßen einsetzbar in Publikationen? In den überwiegenden Fällen lautet die Antwort ganz klar: nein. Denn hinter einer überzeugenden Veröffentlichung wie einem Magazin oder einem Buch steckt ein Konzept, dass auch bei der Auswahl der Bilder berücksichtigt werden muss.

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LAYOUT UND INHALT GEBEN ÄSTHETIK VOR

So geben insbesondere das Layout, aber auch der Inhalt eine Ästhetik vor, die auf allen Seiten der jeweiligen Publikation eingehalten werden muss. Sie kann eine nüchterne, geradlinige, bisweilen auch sterile Anmutung vorsehen oder auch eine lebhafte, dynamische, sogar knallige. Die erstere Variante wäre – plakativ formuliert – eher für seriöse Inhalte geeignet, die letztere dagegen für unterhaltsame. Bewusst eingesetzt kann natürlich auch eine besondere Spannung dadurch entstehen, diese Rollen – selbstverständlich den konzeptionellen Überlegungen folgend – zu tauschen. Ebenso wichtig: Zeigt ein Magazin oder Buch Aufnahmen mit Schärfentiefe und matten Farben neben Bildern ohne Tiefenwirkung und mit leuchtenden Farben in nicht nachvollziehbarem Wechsel, ist das Ergebnis in der Regel unbefriedigend. Es führt beim Betrachter zu Verwirrung, untergräbt das ästhetische Erleben und somit die Qualität.

ESSENZIELL: EINE KONSEQUENTE LINIE

Zu einer Herausforderung wird der Anspruch auf eine konsequente ästhetische Linie insbesondere dann, wenn mehrere Fotografen an einem Werk arbeiten. In diesem Fall muss das Briefing entsprechend genau sein und frühestmöglich vermittelt werden. Welche Stimmung sollen die Bilder beim Betrachter hervorrufen? Welche Stilmittel dürfen dabei zum Einsatz kommen, wie sehr mit der Schärfe gespielt, mit Einstellungen experimentiert, mit der Farbintensität und -bandbreite variiert  werden? Der Fotograf ist hierbei angehalten, Einzelinteressen zurückzustellen und das Gesamtprodukt im Auge zu behalten. Und nicht zu vergessen: die formalen Richtlinien einzuhalten. Zu klären ist, wie viele Bilder auf einer Doppelseite vorgesehen sind und in welchem Format – quer oder hoch, quadratisch, rechteckig oder auch rund, ganzseitig oder kleiner – sie eingesetzt werden sollen. Mit der Menge an Vorgaben hängt auch zusammen, wie groß die vom Fotografen vorgelegte Bildauswahl sinnvollerweise sein sollte.

redaktionelle Teile

FOTOGRAFIEN SOLLEN ERZÄHLEN

Ein weiterer wesentlicher Aspekt liegt bereits im Ausdruck „Bildsprache“ begriffen: der Inhalt. Was sollen die Fotografien erzählen? Welche Motive sollen dazu abgebildet werden – gibt es hier eine bestimmte Rhythmik, etwa durch immer wiederkehrende Bildmotive? Die Antwort auf die letzte Frage wird umso relevanter, je umfangreicher die Publikation ist. Um ein Beispiel aus unserem Agentur-Alltag zu nennen: Der Neue Umschau Buchverlag gibt eine Buchreihe heraus, die kulinarische, kulturelle und handwerkliche Highlights einer Region vorstellt und zum Teil von uns produziert wird, „Schätze“. Dabei lauten die Vorgaben, dass eine Doppelseite jeweils ein Highlight vorstellt und dabei eine Zusammensetzung bestimmter Motive zeigen soll: die Betreiber der Lokalität, eine Innen- oder Außenaufnahme, ein Gericht und ein Detail. Für uns heißt das, einerseits alle Motive abzubilden, um die „Erzählstruktur“ einzuhalten, jedoch andererseits – unter Ausnutzung des Spielraums – Eintönigkeit zu vermeiden.

Schätze

FRAGENKATALOG

Ästhetik und Bildaussage müssen stimmig sein, damit eine Publikation überzeugen kann. Was gilt es dabei zu beachten? Die wichtigsten Fragen auf einen Blick:

  • Was sieht das Konzept der Publikation ästhetisch und inhaltlich vor?

Ästhetik

  • Welche Stimmung sollen die Bilder beim Betrachter hervorrufen?
  • Mit welchen Stilmitteln darf der Fotograf arbeiten?
  • Was gibt das Layout an formalen Richtlinien vor?

Inhaltliche Aussage

  • Was sollen die Bilder erzählen?
  • Welche Motive sollen abgebildet werden?
  • Wie kann es gelingen, eine Motiv-Rhythmik einzuhalten, ohne eintönig zu werden?

Allgemein

  • Wie groß sollte die Bildauswahl des Fotografen sein?

Falls Sie sich weiterführend mit dem Beispiel aus unserer Praxis befassen möchten: Die oben erwähnte Publikation „Schätze zwischen Lech und Isar“ ist mittlerweile im Handel erhältlich.

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