Das Potenzial von Social Media für Kompaktveranstaltungen

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Das Potenzial von Social Media für Kompaktveranstaltungen

ÜBER KONZEPT UND MEHRWERT DES PROJEKTS offblogger

LogoMit dem Social Media-Projekt offblogger haben wir von Mediavanti das Internationale Filmfest Oldenburg begleitet. Zentrales Medium war ein Blog, der von unterschiedlichen Social Media-Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram unterstützt wurde. Im Gespräch resümieren Mediavanti-Geschäftsführer Claus Spitzer und Mareike Lange, die als Mediavanti-Redakteurin und Social Media Managerin die Projektleitung innehatte, welche Idee und welcher Anspruch hinter offblogger standen, wie essenziell eine durchdachte Infrastruktur und gehaltvoller Content sind und inwiefern das Konzept übertragbar ist auf andere Kompaktveranstaltungen.

Mareike Lange: Claus, was genau verbindest du mit dem Filmfest Oldenburg?

Claus_Spitzer-Ewersmann_offblogger

Claus Spitzer-Ewersmann: Das ist eine großartige Veranstaltung, die für Oldenburg wichtig ist und über Oldenburg hinausstrahlt. Und eine Veranstaltung, die in 21 Jahren bewiesen hat, dass sie den Charakter der Stadt in den fünf Tagen, in denen sie stattfindet, ein bisschen verändern kann. Die die Stadt internationaler, kreativer und vielfältiger macht. Das gelingt durch ungewöhnliche Filme, mit denen man nicht unbedingt rechnen würde. Und indem es die richtigen Leute dazu einlädt – also Regisseure, Schauspieler und Produzenten dabei hat, die zu den Filmen etwas sagen können und vermitteln, dass ein Filmbesuch mehr ist, als „mal ins Kino zu gehen“. Wir von Mediavanti haben zum Filmfest ein eigenes Projekt gemacht. Kannst du dazu etwas erzählen?

Mareike_Lange_offbloggerMareike: Es ist in den Monaten vor dem Filmfest die Idee gereift, dass man eine derartige Veranstaltung, die komprimiert an fünf Tagen stattfindet, mit einem Blog begleiten könnte. Ein Blog als Medium deswegen, weil dadurch eine Live-Berichterstattung möglich wird und man den Content sehr gut selbst bestimmen kann. Man ist nicht abhängig von einer Plattform, ihren Vorgaben und Funktionsweisen, wie die 140 Zeichen auf Twitter oder die Notwendigkeit auf Facebook, die Inhalte mit Werbeanzeigen zu pushen. Der Blog bietet größtmöglichen Freiraum. Diese Idee wollten wir umsetzen und uns an ihr ausprobieren: Kriegen wir das gestemmt? Wie gehen wir am besten vor? Was muss man beachten, um erfolgreich zu sein? Wir haben gemerkt, wie viel Arbeit ein solches Projekt erfordert. Warum hast du dich als Mediavanti-Geschäftsführer dafür entschieden, die Idee trotzdem in die Tat umzusetzen?

Claus: Man muss immer zukunftsorientiert denken. Wir haben gute Aufträge, die unsere ganze Aufmerksamkeit benötigen. Dennoch probieren und experimentieren wir gern mit neuen Formaten und Kommunikationswegen, weil unsere Kunden von uns eine allumfassende und zeitgemäße Beratung erwarten. Das heißt natürlich auch, dass man  ihnen nur zu etwas raten sollte, das man tatsächlich empfehlen kann. Wir haben durch das Projekt offblogger festgestellt, dass das eine Form der Öffentlichkeitsarbeit ist, die wir bestimmten Kunden in Zukunft empfehlen würden und die auf durchorganisierten Wegen nicht nur gut zu bewältigen, sondern extrem erfolgversprechend ist. Mareike, wir haben Dich mit der Leitung von offblogger beauftragt. Wie bist Du das Projekt angegangen und wie hast du die Aufgaben neben deiner Redakteurstätigkeit bewältigt?

Mareike: Es gab die fünf Veranstaltungstage, an denen klar war, dass der Fokus auf dem Blog liegt. Das ließ sich nicht vermeiden, weil wir ja den Anspruch an uns hatten, das Filmfest 24/7 zu begleiten. Aber davor bestand die größte Herausforderung darin, das Projekt so konstruktiv und strukturiert wie möglich nach einem Schritt-für-Schritt-Plan anzugehen. Einmal durchdacht ließ er sich wunderbar in den Arbeitsalltag integrieren. Sicher gab es viel zu tun, aber mit gezielter Vorplanung, To-Do-Listen und Aufgabenverteilungen war alles gut machbar. Wir haben nach und nach die nötige Infrastruktur aufgebaut.

Claus: Welche Schritte gehörten denn dazu?

Mareike: Ganz wesentlich war, das Team zusammenzustellen. Dabei war uns wichtig, dass es nicht nur aus Bloggern besteht, die viel Ahnung vom Film haben, sondern dass sie eine möglichst große Bandbreite an Perspektiven abdecken. Einen Blog mit diesem thematischen Fokus macht unter anderem die Vielfalt an Meinungen und Schreibstilen lebendig. Das hat sich glücklicherweise exakt so ergeben: Unser Team bestand aus einer Community Managerin und einem Redenschreiber genauso wie aus Studentinnen der Wirtschaft und Kommunikationswissenschaft und natürlich uns von Mediavanti. Als nächster wesentlicher Schritt musste die technologische Infrastruktur geschaffen werden. Das hieß, dass der Blog aufgesetzt werden musste, was durch tolle Leute aus unserem Netzwerk, darunter Grafiker und Webspezialisten, wunderbar gelungen ist. Mit dem Blog war das mediale Fundament geschaffen. Darum herum rankten sich weitere Social Media Plattformen wie Facebook und Twitter, deren Auftritte wir ebenfalls aufgebaut haben.

Claus: Und was war nötig, damit die fünf Filmfest-Tage optimal ablaufen?

Mareike: Die größere Herausforderung war, eine Struktur zu erarbeiten, in der die Informationsflüsse und Abläufe klar und möglichst einfach sind. Wir haben uns einen redaktionellen Workflow überlegt, der u.a. ein Plugin vorsah, mit dem ein Online-Kalender in den Blog integriert und Blogbeiträge geplant werden konnten. Trotzdem gab es genaue Abläufe, die aber immer spontanes Handeln zuließen. Wir wollten ja das aufgreifen, was uns das Filmfest an tollen Inhalten bietet – und das erforderte auch mal Beiträge, die nicht von langer Hand geplant waren. Am Schluss hatten wir eine Infrastruktur, mit der wir das Filmfest gut meistern konnten. Claus, wenn Du heute auf offblogger zurückblickst, was war an diesem Projekt das Bereicherndste?

offblogger_Session
Claus:
Die intensive Redaktionsarbeit. Wir haben uns zum Teil in kleinen Teams, zum Teil aber auch mit der gesamten Mannschaft Gedanken gemacht, welche Themen wir aufgreifen möchten. Wir wollten nicht nur Filmrezensionen online stellen, sondern stets auch Mehrwert bieten. Die Frage war also immer: Was ist möglich? Was wollen und können wir machen? Wer ist der richtige Mann, die richtige Frau für das Thema? Wie bekommen wir den Kontakt zustande, wie kommen wir an zusätzliche Informationen? Auch der Austausch untereinander war sehr bereichernd. Wir haben Filme auch gemeinsam geguckt und das Wesentliche des Films herausgearbeitet. Als drittes fand ich faszinierend, dass über das Mittel des Blogs eine ganz eigene Veröffentlichungsform entstanden ist. Man braucht kein Papier, man braucht auch keine extra Webseite, sondern kann einfach auf dem Blog unterschiedliche Darstellungsformen ausprobieren. Wir haben Interviews online gestellt ebenso wie Video-Schnipsel und Fotoalben, wir haben eine Presseschau gemacht und ein Gruppengespräch zu einem Film. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Alle Varianten haben das Potenzial, auch bei anderen Veranstaltungen angewandt zu werden.

Mareike: Das sehe ich genauso. Wir konnten frei bestimmen, was uns als richtige Form erschien, um den Inhalt zu vermitteln. Ob Interview oder Mail-PingPong – wir waren absolut frei in der Gestaltung. Dadurch ist eine ganz eigene Dynamik entstanden. Gerade an der Gast-Bloggerin hat sich gezeigt: Sie hat Video-Beiträge für den Blog erstellt ohne finanzielles Interesse, sondern rein aus Leidenschaft für Inhalte. Das Anziehende des Filmfests und unser Blog-Konzept haben sie so angesprochen, dass sie bereit war, viel Aufwand zu betreiben. Von so einer Dynamik lebt ein Blog. Dass unser Ansatz auch ankommt, wurde uns zum einen durch die Reichweite des Blogs bestätigt, also die Klick-Zahlen, und zum anderen über das Feedback durch Facebook. Und nicht zuletzt wurde uns von Angesicht zu Angesicht bestätigt, dass der Blog funktioniert und genau das ist, was Interesse bei den Usern wecken kann. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass eine solche mediale Begleitung auch bei anderen Kompaktveranstaltungen funktionieren kann. Am Beispiel des Filmfest-Blogs haben wir gezeigt: Wir können das und es bringt den gewünschten Erfolg – nämlich Reichweite und Sichtbarkeit mit guten Inhalten. Und das mit einer so viel kreativeren Art und Weise der inhaltlichen Aufbereitung, als es im Netz in der Regel der Fall ist.

Claus: Bei welcher Veranstaltungsform wäre eine solche mediale Begleitung denkbar deiner Meinung nach?

Mareike: Im Kulturbereich ist es durchaus schon Thema – ich selbst habe einmal bei einem Theaterfestival gebloggt. Was ich mir auch gut vorstellen könnte, wäre eine Kompaktveranstaltung wie eine Messe, die Fachwissen bündelt. Dort sind viele Inhalte geboten, trotzdem wird sie oft eher trocken abgehandelt. In den meisten Fällen berichtet die Presse vor und nach der Veranstaltung. Was aber auf der Messe passiert, welche Menschen sich dort aufhalten, deren Expertise, die wichtigsten Neuerungen und Erkenntnisse, was sich an Kooperationen aus einer Messe ergeben kann – all das bleibt nicht selten im Hintergrund verborgen, auch wenn es Beispiele wie den Blog zur Frankfurter Buchmesse gibt. Für eine Messe kann ein Event-Blog die optimale Ergänzung zu Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie des Marketing sein, weil er eine parallele Berichterstattung ermöglicht. Wenn man das weiterdenkt, könnte man in diesem Fall ein Team aus Bloggern zusammenstellen, das im Gegensatz zum offblogger-Team nicht aus Laien, sondern etwa bei einer Technologie-Messe aus spezialisierten Redakteuren besteht, die mit Fachwissen umgehen und es aufbereiten können. So könnte man den Blog gezielt auf Expertenkreise ausrichten und diese mit entsprechenden Inhalten erreichen.

Claus: Was diesen Ansatz bestätigt: Wir wurden von der regionalen Presse nicht belächelt, sondern im Gegenteil wurde uns auf Augenhöhe begegnet. Zwar tritt man sich in Oldenburg und Umgebung sowieso recht wohlwollend gegenüber. Dennoch: Es war klar erkennbar, dass wir mit Zeitung, Radio und Fernsehen mithalten können und unsere Arbeit anerkannt wurde. Wenn ein Blog bei einer solchen Veranstaltung inhaltlich gut ist, kann er absolut ein akzeptiertes Mittel in der Öffentlichkeitsarbeit sein. Er muss aber – wie gesagt – inhaltlich überzeugen. Es reicht nicht, ein paar Party-Bildchen zu zeigen. Das würde den meisten Veranstaltungen nicht gerecht, sondern würde jeglicher Substanz entbehren. Deswegen ist die redaktionelle Vorarbeit so wichtig.

Mareike: Und genau da zeigt sich: Nicht jeder kann gute Texte schreiben, nicht jeder kann diese redaktionelle Denkarbeit leisten, um sinnvolle Inhalte zu planen und umzusetzen. Die Meinung überwiegt ja durchaus, dass so einen Blog quasi jeder betreiben kann. Aber es steckt viel mehr Erfahrung und Know-how dahinter, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Man muss mit Inhalten umgehen können. Wir sind also sehr überzeugt von der Übertragbarkeit des Blog- bzw. Social Media-Konzepts auf andere Veranstaltungen als (Teil der) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Claus, wie können wir daraus ein Geschäftsmodell machen?

Claus: Ganz klar: Es lässt sich nicht eins zu eins übersetzen in EIN Geschäftsmodell. Dennoch wollen wir dieses Format gerne anderen Veranstaltern anbieten. Dafür müssen wir eine geeignete Form finden – welche Pakete passen? Gibt es unterschiedliche Varianten für unterschiedliche finanzielle und personelle Kapazitäten? Das werden wir herausarbeiten. Mit den Erfahrungen aus den letzten Wochen werden wir hierfür konkrete Konzepte finden. Mareike, warum glaubst du, dass der Blick von außen den Reiz ausmacht?

Mareike: Weil man sonst betriebsblind wird, wie man so schön sagt. Das stellen wir tagtäglich in unserer Arbeit bei Mediavanti fest – ob es sich nun um einen Social Media- oder einen redaktionellen Auftrag handelt. Die meisten Unternehmen realisieren nicht, was sie jeden Tag an neuen Ideen, etwa Technologien, hervorbringen. Und sie schaffen es nicht, daraus eine lesenswerte Geschichte zu machen. Aber genau das ist es, was im Netz funktioniert – nichts anderes! Unternehmen wissen selten, wie sie die Inhalte aufbereiten sollen, und sehen sie häufig gar nicht erst. Da ist ein Haufen Expertise gefragt, die wir in meinen Augen durch unsere redaktionelle und Social Media-Kompetenz bei Mediavanti bündeln. Der Blick von außen ermöglicht zusätzlich, als Außenstehender strategischer an ein solches Projekt heranzugehen. Ich wüsste genau, wo ich ansetzen müsste und welche Person bzw. Abteilung ich bräuchte, um einen Schritt umzusetzen, und wäre wohl weniger durch interne Strukturen und Wege gehindert.

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