Die gelungene Überschrift: 5 Tipps

Die gelungene Überschrift: 5 Tipps

Die gelungene Überschrift: 5 Tipps

Kein Text ohne Überschrift – so viel ist klar. Denn sie übermittelt im besten Falle die Kernbotschaft des Artikels. Die wenigen Worte müssen wohl durchdacht sein. Sie entscheiden darüber, ob sich der Leser überhaupt dem Text widmet. Doch, wie sieht sie aus, die perfekte Überschrift?

Es ist nur eine Zeile über einem Text mit meist nicht mehr als 40 Zeichen; und doch kann sie den großen (Leser-)Gewinn bringen: Klar formuliert kann eine Schlagzeile neugierig machen und den Leser in den Text ziehen, Aufmerksamkeit erzeugen, ja, gar Versprechen ausrufen. Oder aber alles verderben. So ist das mit der Überschrift. Es gibt gute und schlechte, geniale und verbrauchte, beschämende und begeisternde. Hört sich kompliziert an? Gar irgendwie kapriziös? Die Überschrift ist – zugegeben – eine Herausforderung. Aber auch kein Hexenwerk.

Wir geben fünf zentrale Tipps für eine aussagekräftige Überschrift und nennen Beispiele, wie eine Überschrift nicht aussehen sollte:

  1. Partizip, Präsens oder Perfekt verwenden:

    [Ein gutes Zeichen: Hierfür haben wir kein Beispiel gefunden.]

    Diese grammatikalischen Verbformen – und nur diese – sind die gängigen in einer Überschrift.

  2. Langweilige Sachbeschreibung vermeiden:

    „Gesetze und Regeln – Das ändert sich in Deutschland am 1. Februar“ (DIE WELT Online)

    Sperriges Behörden-Deutsch schreckt ab – es lässt den Leser vermuten, dass sich der Artikel ebenso hölzern lesen wird, und Zeitung oder Tab im Handumdrehen schließen.

  3. Spannende Botschaften formulieren:

    „Sieger kommen als erste durchs Ziel“ (Stader Tageblatt)

    Der Leser will eingeladen werden, möglichst mit einer lebendigen Überschrift, die verspricht, dass der Text eine neue Perspektive auf ein Thema eröffnet. Statt faktisch richtig zu titulieren „Angela Merkel ist Bundeskanzlerin“ lässt sich aus der nüchternen Aussage mehr zaubern. Beispielsweise „Eine Frau übernimmt die Führung“ oder „Was Merkel besser machen will“.

  4. Keine Rätsel aufgeben:

    „Wir der nächste Narrenbaum eine Pakme?“ (Markgräfler Tagblatt)

    Überschriften werden gern zusätzlich versehen mit einem Fragezeichen. Das allerdings führt nur zu Verwirrung beim Leser. „Wird die Welt untergehen?“ Nein, vermutlich nicht. Fragen nur dann stellen, wenn sie wirklich sinnvoll zu einem Text passen, der darauf eine Antwort gibt.

  5. Auf Plattitüden und Wortspiele verzichten:

    „Rentner blühen im Garten auf“ (Fuldaer Zeitung)

    „Auf Teufel komm raus“ – derartige Redewendungen mögen noch so verlockend sein. Eine unstimmige und abgegriffene Überschrift wie  „Sonnige Aussichten für die Solarbranche“ machen keine Lust auf den folgenden Text – möge der Inhalt auch noch so interessant und spannend sein. Im Zweifel kann eine falsch gewählte Überschrift Reichweite und Kunden kosten.

Übrigens: Ein Standardwerk für Journalisten und alle, die mit Text arbeiten, ist nach wie vor „Die Überschrift. Sachzwänge, Fallstricke, Versuchungen, Rezepte“ von Wolf Schneider und Detlef Esslinger. Das Buch ist gerade im Januar 2015 in fünfter Auflage erschienen.

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7 Responses to Die gelungene Überschrift: 5 Tipps
  • Ralph

    Neugierde zu wecken und gleichzeitig die Leser sprichwörtlich zu fesseln ist eine spannende Aufgabe. Sie zu lösen ist die Herausforderung von einer Überschrift. Manchmal klappt bestens. Manchmal deswegen, da viele Faktoren für eine erfolgreiche Überschrift eine bedeutende Rolle spielen.

    Beste Grüße

    Ralph

    • Mediavanti
      Mediavanti

      Das sehen wir ganz genauso! Manchmal benötigen wir für die Überschrift mehr Zeit als für den gesamten Text.
      Welche Überschrift stimmig ist, hängt ja neben den genannten Aspekten auch noch vom Duktus im Artikel und den Inhalten ab.
      Aber: Solche Herausforderungen sind da, um gemeistert zu werden!

      Beste Grüße,
      Mareike Lange

      • Ralph

        „Aber: Solche Herausforderungen sind da, um gemeistert zu werden!“ — stimmt! Sonst wäre das Leben nur halb so schön 😉

        Sonnige Grüße

        Ralph

  • Martin

    Mir fehlt da noch eine Einlassung zu Zitaten in der Unterschrift.

    • Mediavanti
      Mediavanti

      Vielen Dank für die Anregung!
      Allerdings können wir nicht ganz folgen: Meinen Sie Zitate in der Bildunterschrift? Und welchen Aspekt hätten Sie da gerne besprochen?

      Beste Grüße,
      Mareike Lange

      • Martin

        Überschrift. Ich meine Überschrift. Blöde Autokorrektur beim Smartphone. Sorry.

        • Mediavanti
          Mediavanti

          Wenn es um Sprache geht, ist es immer schwierig, eine grundsätzliche Aussage zu treffen – auch in Bezug auf die Verwendung von Zitaten in der Überschrift.
          Es kommt also darauf an – auf das Zitat, den Zitierten und den Zusammenhang, also auf drei „Zs“. Handelt es sich beim Text zum Beispiel um eine Reportage, kann ein Zitat von einem Protagonisten viel Lebendigkeit und Authentizität transportieren und Neugierde beim Leser wecken – wer hat’s gesagt? Worauf bezieht sich das Gesagte genau? Für den Autoren bietet ein solches Zitat außerdem eine wunderbare Vorlage für den Einstieg.

          Sich bei den „üblichen Verdächtigen“ zu bedienen, davon würden wir abraten. Zitate von Goethe, Schiller & Co. dürften eher ein Gähnen als Interesse auslösen.

          Außer – und da wären wir beim dritten „Z“ – der Zitierte passt optimal in den Kontext. Wenn ein Artikel beispielsweise die Farbenlehre von Goethe behandelt, kann ein Zitat von gerade diesem Gelehrten wiederum passend sein – vorausgesetzt es greift eben inhaltlich Goethes Farbenlehre auf. Immer gilt: Originalität geht vor (abgegriffene) Klassiker.

          Wir wägen diese drei „Zs“ bei jedem Text erneut ab und entscheiden dann. Soweit unsere Haltung.

          Was ist Ihre Meinung zu dem Thema?
          Wir sind gespannt auf Ihre Einschätzung und Erfahrung!

          Beste Grüße,
          Mareike Lange