Instant articles – Facebooks Wunderwaffe?

Instant articles – Facebooks Wunderwaffe?
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Instant articles – Facebooks Wunderwaffe?

Die New York Times und National Geographic, Buzzfeed, BBC und der Guardian, bild.de und Spiegel Online – Medien von Rang machen mit bei „instant articles“, dem neuen Dienst von Facebook. Warum? Wir haben nachgefragt.

Erstmal eine Begriffsklärung. Was ist das überhaupt, „Instant articles“? Vereinfacht gesagt ein neues Angebot von Facebook, mit dem seit vergangenem Mittwoch komplette Inhalte der Verlage im Newsfeed landen. Bisher musste man sich hier mit Teasern begnügen und sich auf die Internetseiten der Newsportale klicken, um zu den Artikeln, Fotogalerien oder Videos zu kommen. Das Angebot soll vor allem die Nutzer mobiler Geräte noch stärker an Facebook binden.

FACEBOOK WIRD ZUR MEDIENPLATTFORM

Die Medienhäuser werden so die Reichweiten vieler Beiträge erhöhen und ihre Einnahmen aus Werbung steigern können. Facebook erlaubt es ihnen nämlich, auf eigene Rechnung Werbeplätze zu verkaufen. Wer dafür Zuckerbergs Experten bemühen will, erhält immer noch 70 Prozent des Erlöses. Und der blaue Riese selbst? Ist natürlich nicht so uneigennützig, wie es zunächst wirken mag. Daten, Daten, Daten – so der Lohn für seine Großzügigkeit. Langfristig, d.h. wenn noch mehr Partner mitmachen, wird Facebook so selbst zu einer gigantischen Medienplattform.

Also nur ein weiterer Kanal, um seine Inhalte zu den Rezipienten zu transportieren? Julian Reichelt, Chefredakteur bild.de, scheint das exakt so zu sehen: „BILD muss immer da sein, wo unsere Leser und User sind. Das ist auf Papier so und das ist auch digital so.“ Er möchte „lernen, aber auch mitgestalten, wie die Menschen im Zeitalter sozialer Plattformen News, Unterhaltung und Sport konsumieren“. Ganz ähnliche Worte findet Florian Harms von Spiegel Online: „Wir hoffen, dabei einiges darüber zu lernen, wie sich unsere Inhalte in sozialen Netzwerken am besten darstellen und verbreiten lassen. Uns ist es wichtig, unsere Leser da zu erreichen, wo sie sind, und da spielt Facebook einfach eine wichtige Rolle.“

FRENEMY – FREUND UND FEIND ZUGLEICH

Die Angst, durch die Kooperation mit Facebook die Kontrolle über eigene Inhalte zu veräußern, hält sich in Grenzen. Emily Bell, Professorin an der Columbia School of Journalism, warnt hingegen die Verlage davor, sich in die Abhängigkeit des Silicon Valley zu begeben. Unternehmen wie Facebook oder Google seien „Frenemies“ – Freund und Feind zugleich. Immer seien sie weit mehr an den wirtschaftlichen als an den journalistischen Aspekten einer Zusammenarbeit interessiert. Jürgen Stüber, Redakteur bei der Berliner Morgenpost, sieht das ähnlich: „Das sind Facebook-Werbewochen. Die Begeisterung ist vorbei, sollte FB an den Margen schrauben oder Inhalte zensieren.“

Illusionen darüber, was passiert, wenn sich die Sache nicht rentiert, muss man sich übrigens nicht machen. „Läuft es schlecht, wird der Test beendet“, weiß Georg Konjovic, Chef des Portals meinestadt.de, schon jetzt. Im rechtzeitigen Ziehen der Notbremse hat Facebook schließlich einige Erfahrung.

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