Kooperieren oder konkurrieren – Die zwei Gesichter des Erfolges

Kooperieren oder konkurrieren – Die zwei Gesichter des Erfolges
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Kooperieren oder konkurrieren – Die zwei Gesichter des Erfolges

Mit wem arbeiten erfolgreiche Unternehmen lieber zusammen – mit dem Experten gleich nebenan oder mit dem Spezialisten irgendwo draußen in der Welt? Und was ist erfolgversprechender – kooperieren oder konkurrieren? Die Arbeitswelt unserer Tage wirft viele Fragen auf, wie sich an einem aktuellen Beispiel aus dem Werbebusiness zeigt. Mediavanti-Geschäftsführer Claus Spitzer-Ewersmann hat dazu einen Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Oldenburger Wirtschaftsmagazins veröffentlicht.

Oldenburgs Marketingbranche brauche wieder einen Leuchtturm. Ein Unternehmen von Rang, das weit über die Grenzen der Region hinaus Strahlkraft entwickle. „Das gab es hier früher“, sagt Jens-Dieter Kehrer, selbst Inhaber einer Werbeagentur. Aber die Zeiten hätten sich geändert. Es sei immer schwieriger geworden, einfallsreiche junge Leute nach Oldenburg zu bekommen. „Die Stadt ist auf der Kreativlandkarte nicht mehr vertreten.“ Wenn die großen Metropolen riefen, dann zöge man stets den Kürzeren. Und das gelte – trotz gelegentlicher Ausnahmefälle – auch für die möglichen Auftraggeber: „Die haben Oldenburg einfach nicht auf dem Zettel.“

DIE IDEE: ALLES UNTER EINEM DACH

Kehrer will sich damit nicht abfinden. Zweimal stellte er in den letzten Monaten öffentlich sein Konzept eines „Agenturhauses“ vor. Es solle Selbstständige aus der Werbewirtschaft unter einem Dach versammeln und sie natürlich zur Zusammenarbeit animieren, erläuterte er beim cre8-Netzwerktreffen im Januar ebenso wie beim Stammtisch örtlicher Social-Media-Aktivisten Anfang Mai. Seine Idee: Grafiker und Fotografen, Texter und Webdesigner, Kontakter und Event-Manager – alle machen gemeinsame Sache in einem Kompetenzzentrum. Die räumliche Nähe schaffe Vertrauen, intensiviere die Kontakte und stärke schließlich den Standort.

Kooperation ist auch für Christoph Helmes ein Schlüsselbegriff für erfolgreiches Wirtschaften. „Allerdings brauchen wir dafür nicht die Nachbarschaft“, sagt der Geschäftsführer der Junge Haie GmbH, einer Oldenburger Technologieagentur für digitale Kommunikation. Helmes betont, für ihn stehe stets die Qualität einer Arbeit im Vordergrund. Die internetgestützte moderne Kommunikationswelt ermögliche es ihm, deutschland-, europa- und letztlich sogar weltweit nach genau den Spezialisten zu suchen, die er zur erfolgreichen Abwicklung eines Auftrags benötige. „Ob die in Oldenburg, Frankfurt oder auch Shanghai sitzen, ist vollkommen nebensächlich.“ Teil eines Agenturhauses oder einer ähnlichen Konstruktion zu sein, könne deshalb sogar kontraproduktiv sein: „Da muss ich nachher womöglich noch jemanden nehmen, der meinen Ansprüchen nicht genügt.“ Oder ihm in der von allen Bewohnern genutzten Küche mitteilen, dass er nicht über die nötige Qualifikation verfüge.

NEUE OPTIONEN DANK VERNETZUNG

Die Diskussion zeigt, dass die Arbeitswelt sich einmal mehr umsortiert. Auch in Oldenburg. Klar ist: Die Vernetzung bietet eine Vielzahl neuer Optionen. Kein Betrieb muss alles selbst können, sondern kann auf Partner setzen. Der Geschäftssitz spielt dabei nur eine Nebenrolle, auch wenn viele Unternehmer das direkte Gespräch im Konferenzraum der Skype-Schalte weiterhin vorziehen. Darin liegt auch der grundsätzliche Charme von Jens-Dieter Kehrers Agenturhaus-Vorhaben: Im Team können Ideen ausgebrütet, weiterentwickelt und realisiert werden – notfalls auch am Kaffeetisch. Und die beiden Experten, die man dafür noch zusätzlich braucht, sitzen lediglich eine Tür weiter, können bei Bedarf mal eben schnell dazu stoßen. Schöne Sache.

WIRTSCHAFT BRAUCHT DEN VERGLEICH

Aber: Kooperation ist kein Wert an sich. Sie ist im heutigen Wirtschaftsleben unabdingbar, führt aber nicht immer zum Ziel. Selbstverständlich kommt kein Unternehmen beispielsweise ohne verlässliche Zulieferer aus. Für ewige Zeiten aber auf die bewährten Partner zu setzen, kann schädlich sein. Vielleicht liefert ein anderer Betrieb längst deutlich billiger oder schneller, eventuell ist eine Firma qualitativ schon viel weiter. Wer verantwortungsbewusst führt, muss diese Dinge im Auge behalten. Wirtschaft lebt auch vom Vergleich und von den sich daraus ergebenden Veränderungs- und Erneuerungsprozessen. Traditionelle Geschäftsverbindungen werden gekappt, neue entstehen – Kooperation hin, Kooperation her.

Dieser Satz besitzt nach wie vor Gültigkeit: Konkurrenz belebt das Geschäft. Auch Wettbewerb ist ein zentraler Treiber im Wirtschaftsleben. Er halte Unternehmen an, „im eigenen Interesse die Qualität ihrer Leistungen und Produkte zu verbessern oder günstiger zu produzieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, heißt es in einer Studie des Bundeskartellamtes. Und er sorge für den technischen Fortschritt, da die Anbieter versuchen müssten, „ihre Produkte oder Produktionsverfahren technisch weiterzuentwickeln oder neue Produkte zu erfinden“.

Im Fall der Werbebranche bedeutet das nichts anderes, als dass eine neue Stärke Oldenburgs sich gerade dann ergeben könnte, wenn viele Agenturen um die besten Mitarbeiter, die besten Kunden und die besten Ergebnisse wetteifern. Wer die Sache sportlich nimmt und eine gesunde Rivalität pflegt, stellt unkonventionelle Überlegungen an, sucht nach pfiffigeren Lösungen als der Wettbewerber und lässt sich so zu Höchstleistungen anstacheln. So lässt sich ebenfalls überregional Aufmerksamkeit erzielen, denn es ist keineswegs gottgegeben, dass der klügste Slogan und das originellste Plakat stets aus Hamburg oder Berlin stammen müssen.

KONKURRENZ ALS CHANCE FÜR DAS PROFIL

Vor allem aber sorgt Konkurrenz für Bewegung. Wer sich im Wettbewerb befindet, erlahmt nicht, sondern sucht stetig nach Verbesserung. Konkurrenz treibt an. Monopolisten legen die Füße hoch, ruhen sich aus, schlafen ein. Um langfristig Erfolg zu haben, muss man sich an anderen messen und von ihnen lernen wollen. Was machen sie besser, welche Zielgruppen sprechen sie gekonnter an, auf welche Marktsegmente konzentrieren sie ihre Anstrengungen? Das nicht zu prüfen, wäre fahrlässig. Daraus keine Schlüsse zu ziehen, sogar gefährlich.

„Wenn man den Konkurrenten ohne Emotionen sieht und zum Wettbewerbsanalytiker wird, hat man enorme Vorteile“, bestätigt Rainer Michaeli, Gründer und Leiter des renommierten Instituts für Competitive Intelligence. Konkurrenz bietet die Chance, durch die Schärfung des eigenen Profils Unterscheidungs- und Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten. Ein starker Konkurrent ist ein guter Konkurrent, er spornt an und verhindert das trügerische Gefühl von Sicherheit.

ERFOLG HÄNGT VOM EINFALLSREICHTUM AB

Und wie ist es überhaupt um das Vertrauen in die eigene Stärke und das eigene Können von Unternehmern bestellt, die gleich den Weltuntergang heraufbeschwören, wenn am fernen Horizont ein potenzieller Mitstreiter erscheint? Manche Branchen haben solche Momente zum Umdenken und Umorientieren genutzt. Etwa der Buchhandel. Um mit der scheinbar übermächtigen Internetkonkurrenz mitzuhalten, wurde der Service verbessert, das Fachwissen aufgefrischt, die Kundschaft mit Sonderaktionen in den Laden gelockt. Häufig mit Erfolg, wie man weiß.

Intelligente Konkurrenz ist das Schlüsselwort. Einfallsreichtum, Phantasie und Witz sind gefragt. Wie etwa bei dem Ladenbetreiber aus folgender Geschichte: Direkt neben ihm eröffnete ein neues Geschäft mit gleichem Sortiment, im Schaufenster hing ein Plakat mit der Aufschrift: „Die besten Preise“. Damit nicht genug, denn wenig später machte nebenan auf der anderen Seite ein weiteres Geschäft auf – wieder dasselbe Angebot und ein noch größeres Schild: „Der beste Service“. Der Ladenbetreiber war angesichts der Konkurrenz zunächst ratlos. Dann aber hatte er eine simple Idee und er platzierte ebenfalls ein Plakat an seiner Ladentür. Darauf stand nur ein Wort: „Haupteingang“.

 

Dieser Artikel erschien erstmals in der Ausgabe 2/2015 des Oldenburger Wirtschaftsmagazins.

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