Crossmediales Texten – Die Unterschiede im Schreiben für verschiedene Formate

Crossmediales Texten – Die Unterschiede im Schreiben für verschiedene Formate
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Crossmediales Texten – Die Unterschiede im Schreiben für verschiedene Formate

Ob für Print, Online oder Video: Die meisten Redakteure verfassen ihre Texte nicht mehr nur für ein bestimmtes Format – sie müssen alle Kanäle bedienen. „Praktisch“, mag man denken, da ein Thema verschiedene Zielgruppen erreichen kann. Jedoch bedeutet die crossmediale Verbreitung eines Inhalts in der Realität oftmals mehr Aufwand. Denn jedes Medium erfordert einen eigenen Stil.

Multi- oder crossmediales Arbeiten setzt immer die Fähigkeit voraus, sich auf die unterschiedlichen Formen einer Publikation einlassen zu können. Die Grundlagen der textlichen Arbeit sind dieselben: sorgfältige Recherche, logische Struktur, einwandfreie Grammatik und Rechtschreibung sowie Kreativität. Der Unterschied beginnt also dort, wo es an das Schreiben geht.

Redakteure wollen alle nur das Eine …

… nämlich informieren und im besten Fall unterhalten. Doch machen sie dies auf unterschiedliche Art und Weise – angelehnt an ein bestimmtes Zielpublikum. Betrachten wir zunächst den klassischen PRINT-ARTIKEL fällt auf, dass er zu einer Art „Slow-Medium“ geworden ist. Eine zeitaufwändige Freizeitbeschäftigung für Lesefreudige. Sieht man von Berichten einmal ab, werden Texte zumeist so konzipiert, dass sie von Anfang bis Ende gelesen werden. Dabei gilt eine lineare Schreibweise als üblich: Hypothese – Argumentation – Ergebnis. Der  Redakteur fungiert beispielsweise in Reportagen nicht einfach nur als Erklärer, sondern auch als Übermittler von Atmosphäre und Stimmungen. Er lässt Bilder im Kopf entstehen und nimmt seine Leser mit an den Ort des Geschehens. Dabei sollten aber trotzdem noch alle Informationen dargestellt werden, die für den Leser wichtig sein könnten. Eine Printreportage wandelt also auf dem schmalen Grat zwischen subjektivem Bericht und präziser Informationsübermittlung.

ONLINE-ARTIKEL sind hingegen meist kürzer als Print-Artikel und bedienen sich einer anderen Sprache. Der Grund ist einfach: Web-User lesen Texte nicht, sie überfliegen sie. Sie sind auf der Suche nach bestimmten Keywords, die genau auf die gewollte Information hindeuten. Online-Texte werden also gescannt. Dafür müssen sie so aufbereitet sein, dass man zwischendrin ein- und austeigen kann, ohne dass dabei Informationen verloren gehen. Dafür sind klare Absätze und das Verwenden von Zwischenüberschriften hilfreich. Kurze Sätze in alltagstauglicher Sprache und das Vermeiden von Füllwörtern machen den Usern das Lesen auf den oft bunten, mit Werbebannern vollgestopften Seiten deutlich angenehmer. „Weniger ist mehr“ scheint der Wahlspruch der Online-Medien zu lauten, denn oft verzichten sie auf eine Fülle von Informationen und konzentrieren sich auf grundlegende Fakten.

VIDEOBEITRÄGE haben einen großen Vorteil, der gleichzeitig auch zu ihrem größten Nachteil werden kann: das Bewegtbild. Auf der einen Seite untermalen Videobilder den Text und haben somit eine ergänzende und veranschaulichende Funktion. Auf der anderen Seite schränken sie den Redakteur in seiner Schreibweise ein. Denn Videoeiträge sollten für den Zuschauer eingängig und – auch akustisch – verständlich sein. Off-Texte müssen also so formuliert werden, dass sie für den Sprecher einfach zu sprechen sind. Das schließt vieles aus, beispielsweise Fremdwörter oder Zahlen und komplizierte Fakten. Auch verschachtelte und lange Sätze sind schwerer zu verfolgen, daher bestehen die meisten Texte für TV-Beiträge aus klaren und prägnanten Hauptsätzen. Die Stimme aus dem Off hat vor allem eine ergänzende Funktion. Es geht darum Bilder wirken zu lassen und nicht allzu detailreich zu erzählen, denn die Atmosphäre der Situation und die Emotionen werden von den gezeigten Bildern übertragen.

So fern und doch so nah

Welche Aufbereitungsform für einen Nachricht Sinn macht, lässt sich pauschal nicht beantworten. Entscheidend ist, welche Zielgruppe über welchen Kanal mit der größten Wahrscheinlichkeit erreicht werden kann und wie ein Beitrag für das erwählte Medium bzw. die erwählten Medien im Folgenden gestaltet sein muss. Alle drei oben genannten Gattungen sind nur dann überzeugend, wenn sie auf der inhaltlichen Ebene informativ und klar verständlich sind sowie im Hinblick auf ihr Format kanalgerecht aufbereitet. Auch wenn die Unterschiede beim Texten der Beiträge noch so groß zu sein scheinen, eint alle der (journalistische) Anspruch, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen, sie mit den nötigen Informationen zu versorgen oder auch zu unterhalten und ihr einen entsprechenden Mehrwert zu bieten.

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