Ein Höhepunkt im städtischen Jahresprogramm

Die Erfolgsgeschichte der Ausstellung World Press Photo Oldenburg

Die Ausstellung der besten Pressefotos der Welt stößt rund um den Globus auf großes Interesse. Jahr für Jahr wird sie in etwa hundert Städten gezeigt. Über 5.200 zahlende Besucher haben sie in der amerikanischen Hauptstadt Washington gesehen, 7.700 in Zürich. Und fast 17.000 in Oldenburg. Wie kommt das?

Fast 50.000 Besucherinnen und Besucher kamen in den ersten drei Jahren zur World Press Photo Ausstellung ins Oldenburger Schloss.

Oft schockierend, häufig verstörend, manchmal brutal – gelegentlich aber auch zauberhaft. Die „World Press Photos“ polarisieren und lösen Emotionen aus. Sie lassen niemanden kalt. Seit 2016 zeigt Mediavanti die dreiwöchige Ausstellung dieser einzigartigen Aufnahmen im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Und das mit erstaunlichem Erfolg. Kamen zur Premiere bereits 14.305 Besucher, waren es im zweiten Jahr 15.837 und im dritten sogar 16.785. Bemerkenswert: Viele weit größere Städte hatten wesentlich weniger Zulauf.

Was machen wir anders? Tiefe und ein Rahmenprogramm bieten.

Die Frage, was wir anders machen als die Kollegen etwa in Washington, Dortmund oder Zürich, wurde uns in den letzten Jahren immer wieder gestellt. Schließlich gibt es in aller Welt die gleichen Bilder zu sehen. Und sie sind an jedem Ort großartig.

Als wir uns entschieden, die Ausstellung nach Oldenburg zu holen, hieß das für uns von Beginn an, uns ernsthaft mit dem Fotojournalismus unserer Tage zu beschäftigen. Welche Bedeutung hat er, unter welchen Bedingungen arbeiten Pressefotografen, warum ist ihre Tätigkeit wichtig für uns alle? Wir wollten nicht nur Bilder an die Wand hängen und die Besucher damit allein lassen. Stattdessen beschlossen wir, die Ausstellung mit einem Rahmenprogramm zu begleiten – mit Diskussionen und Vorträgen, mit Matineen und Filmen. Damit konnten wir zusätzliche Interessierte ansprechen und die Pressefotografie zu einem Thema machen, das in der Öffentlichkeit auf große Resonanz stieß. Und jede einzelne Veranstaltung zahlte auf das Konto der Bilderschau ein. Sie wurde zum Stadtgespräch.

Vor der Eröffnung standen Veranstalter, Vertreter der World Press Photo Foundation und Fotografen der Presse ausführlich Rede und Antwort.

„Grundrauschen“ als Erfolgsfaktor

Das auf diese Weise erzeugte Grundrauschen ist sicher einer der Erfolgsfaktoren der Ausstellung in Oldenburg. Ein weiterer liegt in der klaren Definition von Zielgruppen. Wir haben gleich zu Beginn unserer Aktivitäten ein Raster erstellt, wen wir wie ansprechen wollen. Klar war: Die sowieso schon kultur- und speziell fotointeressierten Menschen werden eh kommen. Uns ging und geht es aber darum, auch die anderen zu erreichen, vor allem jene, die sonst nicht ins Museum gehen. Deshalb entwickelten wir das Format „FotoSlam“ für das junge Publikum, kümmerten uns um ein spezielles Schulprojekt und bauten das Programm an fachkundig geleiteten Führungen immer mehr aus. Alle Veranstaltungen fassten wir in einem Booklet zusammen, das wir in großer Auflage in ganz Nordwestdeutschland verteilen ließen.

Die Zielgruppen dort abholen, wo sie sind

Zudem machten wir uns klar, dass wir unsere Zielgruppen dort ansprechen müssen, wo sie sich sowieso aufhalten. Aus dieser Erkenntnis entwickelten wir großes Engagement im Bereich Social Media. Ob Facebook, Twitter oder Instagram – World Press Photo Oldenburg ist längst auf jeder Plattform mit News, Hintergründen und natürlich Geschichten zu den gezeigten Fotos vertreten. Auf unserem Blog, auf dem auch Gastblogger zu Wort kommen, und auf der Internetseite vertiefen wir die angerissenen und weitere Themen.

Traditionell wird ein Gewinner des World Press Photo Awards nach Oldenburg eingeladen, um von seiner Arbeit zu berichten (hier Francis Pérez, 2018).

Ganz wichtig war und ist Pressearbeit. Eine Ausstellung zum Bildjournalismus – und dann noch mit den in einem Wettbewerb gekürten weltbesten Aufnahmen – ist für die Medien natürlich ein gefundenes Fressen. Wir haben deshalb bereits frühzeitig auf unser Vorhaben hingewiesen und die Pressevertreter aktiv eingebunden. Es gibt kurz vor der Eröffnung sowohl eine Pressekonferenz mit unserem Ehrengast (dazu später mehr) und einen Presserundgang. Interview-Wünsche erfüllen wie ebenso gern wie die nach besonderen Aktionen für Leser, Hörer oder Zuschauer. Resultat: Während der dreiwöchigen Laufzeit ist die Ausstellung täglich Thema in den Medien.

Ohne die Hilfe von Sponsoren und Partnern? Nicht denkbar!

Nicht vergessen wollen wir die intensive Zusammenarbeit mit unseren Unterstützern und Förderern. Eine solche Ausstellung ist ohne das finanzielle Engagement von Sponsoren nicht machbar. Uns geht es aber nicht nur um das Tauschgeschäft Geld gegen Werbelogo auf dem Plakat. Unsere Sponsoren sind Partner. Sie laden Kunden und Mitarbeiter zu Führungen ein, berichten in ihren hauseigenen Publikationen über World Press Photo und stellen Räume für Veranstaltungen im Rahmenprogramm zur Verfügung. Zudem ist das Personal im Landesmuseum mit Begeisterung und Engagement bei der Sache.

Fasst man all diese Faktoren zusammen, wird deutlich, dass wir aus der Ausstellung ein Ereignis mit einem besonderen Charakter machen. Das unterstreichen wir noch, indem wir in jedem Jahr den Siegerfotografen des Wettbewerbs nach Oldenburg holen. Er ist sowohl Ehrengast der Vernissage als auch der offiziellen Eröffnung am Folgetag. Im ersten Jahr war es ein Däne, dann ein in Ungarn lebender Australier und zuletzt ein Spanier von der Insel Teneriffa. Sie alle überzeugten das Publikum mit bewegenden Berichten von ihrer Arbeit und gaben der Veranstaltung ein sehr spezielles internationales Flair.

Dank der intensiven Presse-, Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit ist die Ausstellung zu einem großen Publikumsmagneten geworden, der bis zum letzten Tag Besucher anzieht.

Mehr als eine Ausstellung durch ein kluges Kommunikationskonzept

World Press Photo Oldenburg ist also mehr als eine Ausstellung. Die Erfolgsgeschichte konnte geschrieben werden, weil die Oldenburger und auch die vielen auswärtigen Besucher unser Angebot angenommen haben, das inzwischen schon vielfach als „Fotofestival“ bezeichnet wird. Darin liegt der wohl entscheidende Unterschied zur Präsentation der Bilder in anderen Städten. Auch dort gibt es vielleicht eine Webseite oder eine Fanpage bei Facebook, vielleicht auch den Vortrag eines Fotografen. Aber an keiner anderen Station der Fototournee wird ein solch umfassendes Paket geschnürt.

Bleibt die Frage, was sich aus diesem Erfolg für Schlüsse ziehen lassen. Einige. Zum Beispiel, dass es sich lohnt, mutig auf neue, noch nicht erprobte Ideen zu setzen. Dass es sinnvoll ist, Zielgruppen zu definieren und Potenziale zu analysieren. Und dass es mit einem klugen Kommunikationskonzept tatsächlich gelingen kann, eine bis dahin vor Ort unbekannte Veranstaltung binnen kürzester Zeit nicht nur zu etablieren, sondern sie sogar zu einem Höhepunkt im städtischen Jahresprogramm zu machen.

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Claus Spitzer-Ewersmann

Claus Spitzer-Ewersmann

Claus Spitzer-Ewersmann ist Geschäftsführer der Mediavanti GmbH und unterstützt Unternehmen und Institutionen in (durchaus auch einmal unkonventioneller) Kommunikation.

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