Der Journalismus. DER Journalismus?

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Der Journalismus. DER Journalismus?

© Foto: DeathtoStock_Wired4

50 junge Augenpaare sahen mich an und warteten auf eine versierte Antwort. Eine zögerliche Stille breitete sich im Raum aus, in dem das Berufskolloquium des Tübinger Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft stattfand. Hier sollte ich als Absolventin zu meinem Berufseinstieg als Redakteurin referieren und danach den potenziellen Berufseinsteigern Rede und Antwort stehen. Aber gleich ihre erste Frage war nicht leicht zu beantworten: Wo die Grenze ziehen zwischen seriösem Journalismus und unglaubwürdiger PR?

Ganz klar, mögen manche im ersten Moment denken: DIE ZEIT, die FAZ und die Süddeutsche, die als Qualitätszeitungen gelten, stehen unbestritten für ersteres, Imagebroschüren und Unternehmensmagazine zählen zweifelsohne zu letzterem. Doch so einfach liegt die Sache nicht.

VERKAUFSZAHLEN BEEINFLUSSEN MEDIALEN FOKUS

Wählt nicht beispielsweise jede noch so seriöse Zeitung genau diejenigen Themen als Aufmacher aus, die sich am besten verkaufen? Kaum legte sich etwa die Bestürzung um die atomare Katastrophe in Fukushima, verschob sich der mediale Fokus auf Themen mit höherer Brisanz. Wie sich die Langzeitfolgen auf Natur und Mensch auswirken, wird nur noch vereinzelt aufgegriffen und dann meist auf den hinteren Seiten des jeweiligen Blattes abgehandelt. Um noch einmal auf die Süddeutsche zurückzukommen – auch hier ist manchmal nicht eindeutig erkennbar, wie es zur Auswahl der Inhalte kommt. Wie schafft es etwa genau dieses eine zugegeben stilvolle, aber ebenso austauschbare Hotel in die Reisetipp-Rubrik des SZ Magazins?

Ein weiterer Grenzfall, der Futter für hitzige Diskussionen bietet: die Boulevardzeitung. Sind ihre Arbeitsweisen und Inhalte journalistisch zu nennen oder von vornherein als unseriös, da populär, abzustempeln? Und wie ist beispielsweise der „Deal“ zu bewerten, der offensichtlich zwischen der BILD und den Wulffs bestand und platzte, als der damalige Bundespräsident zu stürzen drohte und die Zeitung darin die bessere Story sah?

AUCH UNTERNEHMEN KÖNNEN THEMEN SETZEN

Andersherum gefragt: Wieso sollte es ausgeschlossen sein, für ein Unternehmen Inhalte aufzubereiten und dabei gleichzeitig journalistischen Ansprüchen zu genügen? Wieso sollten nicht auch Unternehmen in Form von Magazinen, Newslettern und über Social Media-Kanäle Themen setzen können? Insbesondere sie warten oftmals mit unvergleichlicher Expertise in einem bestimmten Branchenbereich auf, die definitiv Mehrwert für den Leser hat. Und warum sollten sie grundsätzlich die journalistisch neutrale Berichterstattung scheuen? Gerade diese unterstreicht doch die Authentizität und das Selbstbewusstsein des Unternehmens. Immerhin gewährt es den beauftragten Redakteuren tiefe Einblicke in sein Innenleben.

WAS ZÄHLT? DIE EINHALTUNG JOURNALISTISCHER GRUNDSÄTZE

Darum lautete meine Antwort beim Berufskolloquium auch: Journalismus definiert sich über bestimmte Grundsätze wie die Sorgfaltspflicht und die Selbstdisziplin, die eigene Rolle zu kennen und zu reflektieren. Und an die halten wir uns als Medienagentur sehr bewusst, um mit journalistischen Mitteln für eine kompetente und glaubwürdige Außendarstellung von Unternehmen und Institutionen zu sorgen.

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