Interne Kommunikation: Wie Firmen von Mitarbeitern lernen

Interne Kommunikation: Wie Firmen von Mitarbeitern lernen

Interne Kommunikation: Wie Firmen von Mitarbeitern lernen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind immer in Bewegung. Sie treffen sich im Flur, in Küche und Kantine oder in der Freizeit auf einen Kaffee oder bei einem Stammtisch. Der Austausch steht dabei im Mittelpunkt, natürlich auch über die Kollegen, die Arbeit und nicht zuletzt das Unternehmen. Dabei geht es nicht nur um Bürotratsch, Flurfunk und Stammtischparolen. Vielmehr können diese Gespräche wichtige Informationen für das Unternehmen enthalten – etwa zur Zufriedenheit der Mitarbeiter über Arbeitsbedingungen, Entscheidungsprozesse und Betriebsstrukturen. Zudem können wertvolle Verbesserungsvorschläge und innovative Ideen Resultate der Kommunikation sein. Diese Botschaften einzufangen und verfügbar zu machen, kann für die Führungsebene einen großen Gewinn bedeuten und die Chance auf eine beständige Optimierung – mit den Beschäftigten als Verbündeten.

POTENZIAL VON MITARBEITERN LIEGT OFT BRACH

Jeder Mitarbeiter ist ein Individuum mit Interessen, Kenntnissen und Fähigkeiten. All diese Eigenheiten stellen ein wertvolles und dennoch meist nicht (voll) genutztes Kapital für Arbeitgeber dar. So liegt nicht selten das Potenzial kreativer Köpfe brach – schlicht, weil sie kein Gehör finden oder das Unternehmen keine Plattform für eine Ideenfindung unterhalb der Führungsebene bietet. Viele Unternehmensführer und Firmenchefs halten ihre Arbeiter und Angestellten lieber ahnungslos. Eine neue Produktlinie prüfen und bewerten? Ein Brainstorm zu einem neuen Geschäftsbereich? Die Richtung bestimmen, in die sich das Unternehmen zukünftig entwickeln soll? Alles Chefsache!

Doch diese Ansicht wird seltener. Denn die Mitarbeiter aus Vertrieb, Kundenservice, Marketing etc. wissen oftmals am besten, welcher Kunde welches Produkt kauft, worüber er sich beschwert und über welche Kanäle er am besten zu erreichen ist. Sie sind – im Gegensatz zur Führungsebene – schlichtweg dichter an Kunden und Zielgruppen dran. Dieser Umstand verspricht wesentliche Erkenntnisse, die zu einer höheren Kundenzufriedenheit, einer größeren Reichweite von Marketing-Maßnahmen und letztlich zu mehr Absatz beitragen können.

OFFENHEIT SIGNALISIEREN, AUSTAUSCH ERMÖGLICHEN

Dazu muss die Unternehmensleitung allerdings Offenheit gegenüber der Mitarbeiterschaft signalisieren. Die Botschaft sollte lauten, dass das Wissen und die Ideen jedes einzelnen explizit gefragt sind. Und es sollten Plattformen geboten werden, über die ein konstruktiver Austausch möglich wird. Optionen, vorhandenes Wissen zu bündeln und allen verfügbar zu machen, bieten etwa Intranets. Insbesondere größere Unternehmen nutzen zunehmend interne Netzwerke, aber auch KMUs greifen auf diese Form der Vernetzung zurück. Ebenso sollten in der analogen Welt Face-to-Face-Begegnungen gezielt angeregt werden, etwa Kreativräume geschaffen und After-Work-Lounges initiiert werden. Dabei kann helfen, den internen Austausch systematisch anzuregen, indem Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen um Rückmeldungen und Meinungen gebeten werden. Sicherlich wird sich nicht jeder Mitarbeiter einbringen wollen, zumindest nicht im gleichen Maße und mit der gleichen Begeisterung. Wer aber die ihm gebotenen Plattformen aktiv nutzt, hat ein Interesse daran, zum Wohl des Unternehmens mitzudenken.

INFORMATIONSSTRUKTUREN ALS ANREIZE ZUM MITDENKEN

Mitarbeiter sollten aber nicht nur Informationen liefern, sondern auch selbst informiert sein. Denn nur wenn der Informationsstand bei allen gleich und aktuell ist, können der Austausch und das Mitreden zu konkreten Ergebnissen führen. Auf diesem Feld sind Mitarbeitermedien hilfreich, etwa in Form von Printprodukten wie Firmenmagazinen und Zeitungen. Aber auch Online-Medien wie soziale Netzwerke oder Corporate Blogs sind mögliche Informationskanäle. Bei fast allen großen Unternehmen, aber auch zunehmend im Mittelstand sind unternehmensinterne Medien ein wichtiges Teilelement im Rahmen einer integrierten Kommunikation, auch zur internen Markenführung. Je professioneller die Medien gemacht sind, umso stärker und glaubwürdiger wirken sie, umso wahrscheinlicher werden sie von den eigenen Mitarbeitern wahrgenommen und umso höher dürfte der Anreiz sein, selbst Teil der kreativen Denkprozesse zu werden.

NACH INNEN TRANSPARENT – NACH AUSSEN GLAUBWÜRDIG

Ein weiterer Vorteil: Ein nach innen transparentes Unternehmen, mit dem sich die Mitarbeiter identifizieren können und wollen, strahlt nach außen Glaubwürdigkeit und Attraktivität aus. Denn was im eigenen Haus Vertrauen schafft, funktioniert auch gegenüber potenziellen neuen Kollegen und Kunden. „Unternehmen können durch Firmenblogs und Social Media Gespräche anstoßen und so die Kundenbindung erhöhen“, sagt Dr. Heike Hölzner, Geschäftsführerin der Express Fonds Nordwest (EFNW) GmbH, einem An-Institut der Universität Oldenburg mit dem Schwerpunkt Innovations- und Gründungsmanagement. „Besonders bei der Rekrutierung von Mitarbeitern kann es sinnvoll sein, ein Unternehmen und seine Aktivitäten transparent darzustellen.“

Wie auch immer Unternehmen sich entscheiden, ihre interne Kommunikation zu konzipieren und in die Tat umzusetzen – deutlich wird: Eine offene und konstruktive Gesprächskultur bietet viele Vorteile, nach innen und außen. Ein grundsätzliches Umdenken dürfte das Einrichten der notwendigen Strukturen nicht erfordern. Denn letztlich sollte der gleichermaßen respektvolle Umgang mit Mitarbeitern und den Kunden ohnehin Teil der Unternehmenskultur sein.

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2 Responses to Interne Kommunikation: Wie Firmen von Mitarbeitern lernen
  • Sebastian Neumann

    Toller Beitrag über interne Kommunikation!

    #SoMe hat mit der Integration einer Social Software für die interne Kommunikation sehr gute Erfahrungen gemacht. Damit werden alle regionalen Stammtisch-Teilnehmer entsprechend Ihrer Fähigkeiten und Interessen besser integriert. Das Wissen und die Entscheidungen sind transparent für alle. Vor allem werden unsere Entscheidungswege beschleunigt (das ist sehr wichtig in einem Ehrenamtsprojekt). Daraus ist bereits nach zwei Tagen Live-Schaltung konkret das #SoMe-Radio entstanden. Wir werden ab Mai 2014 mit einem Podcast-Format unsere Blog-Beiträge erweitern. Ich bin auf die Ergebnisse total gespannt.

    Fazit: Der Flurfunk wird durch Nutzung einer Social Software transparent und bringt sowohl für unser Netzwerk als auch für den einzelnen Teilnehmer eine höhere Vernetzung Offline und Online.

  • Claus Spitzer-Ewersmann
    Claus Spitzer-Ewersmann

    Vielen Dank für Ihr positives Feedback!

    Eine technische Lösung, wie die von Ihnen beschriebene, ist sicherlich dann eine gute Lösung, wenn es innerhalb eines Unternehmens, einer Institution, eines Vereins etc. ein gleiches (positives) Interesse bzw. einen Konsens darüber gibt, was im Flurfunk thematisiert wird. In manchen Fällen würde eine Social Software jedoch nichts nützen. Ein Beispiel: Eine Firma will einem wichtigen Vorgesetzten kündigen, der im Haus umstritten ist. Einige mögen ihn und verzeihen ihm auch mal Fehler, andere suchen die Schwachstellen und bohren darin. Da kocht die Gerüchteküche natürlich hoch und es kommt schnell zu einem verbalen Hauen und Stechen zwischen den Parteien. Dann hilft keine Social Software mehr, sondern nur die direkte Ansprache der Belegschaft, am besten zeitnah in einer Versammlung aller Mitarbeiter. Die Firmenleitung des Unternehmens sollte die Trennung vom Mitarbeiter in diesem Rahmen entsprechend klar und deutlich kommunizieren. Danach dürfte es nicht mehr zu destruktivem Flurfunk, wilden Spekulationen und Gerüchtehuberei kommen.

    Dennoch ist eine Social Software sicherlich geeignet, den Austausch innerhalb des Unternehmens anzuregen und so gut wie barrierefrei – also für alle Mitarbeiter – möglich zu machen.